Bald ist Frühling, ich freue mich darauf! Meinetwegen kann dieser Winter gern ausfallen; man hat sich daran gewöhnt, dass es nichts mehr ist mit Schnee, zugefrorener Elbe, Alster. Wie früher Schlittschuhlaufen möchte ich mit meinem lädierten Knie ohnehin nicht. Passt schon, diese Klimakatastrophe. Omikron nervt, wirkt aber überschaubar, und dass die Impfpflicht beschlossen wird, ist nur bedingt wahrscheinlich. Der Kanzler:in ist klug wie die alte und sagt schnell nichts, Respekt!

Jetzt müssten nur noch einige Wochen überstanden werden, und dann kommt das Boot zu Wasser. Natürlich, ich könnte mich infizieren. In meinem Alter steht eine schlechte Prognose wie’s verläuft im Raum. In einem Geschäft, das ich regelmäßig aufsuche, hat sich die gesamte Belegschaft angesteckt. Zwei Wochen lang fehlte das Stammpersonal. Auf Nachfrage, was mit den anderen sei, meinte die Aushilfe: „Corona.“ Inzwischen sind alle zurück: „Wie Erkältung“, untertrieben klingt das nicht.

Ich habe meinen Bart leicht gestutzt, und meine Frau schimpft weniger. „Gut siehst du aus, Großer!“, grüßt mich fröhlich Nachbar Pavlos.

„Der verarscht dich bloß“, heißt es abfällig, als ich zu Hause davon berichte.

# Ich lass’ nichts an mich ran

Kein Arzt, kein Frisör: Ich gehe nicht zum Impfen, mache einen Bogen um die Testzentren. Bloß nicht hingehen, wo die Idioten sich tummeln, ist meine Devise. Auch zu Hause, jeder hat sein Zimmer, und ich male im Atelier. Ich gehe kaum vor die Tür: „Spaziergänge“ genieße ich allein. Ich schreibe nie Mails, ich bekomme keine. Ich habe Freunde. Mit Hilfe von Oomke, Bernd und Heike wurde die Jolle wieder richtig herum gedreht, nachdem ich den Boden malte und die Außenhaut lackierte. Routine wie in jedem Jahr. Weihnachten hat Niels angerufen! Es gelang, mit Susanne zu klönen.

Ich habe Karten bekommen, wenige verschickt, mailte Montse ein Foto: „… failed to send the card.“

Und dto. kam die Antwort aus Terrassa.

Weihnachten ist erledigt!

Ich bin nirgends im Netzwerk und schon gar nicht verschworen quer. Ich freue mich über jede Chaosnachricht im Fernsehen. Unruhen in Kasachstan gelten als furchtbar, den Sturm auf das Kapitol habe Trump verschuldet, heißt es zum Jahrestag. Biden sei der gute Präsident und bessere Gutmensch, meint er von sich selbst, und die hiesigen Demos wären von rechts unterlaufen, sagen die, die es wissen müssen.

So hat jeder seine Propaganda.

Bei uns gelten die Demonstranten als verrückt und gewaltbereit, das sei gefährlich. Die Kasachen wären Helden und würden erschossen, meint man im Fernsehen. Die Krim wurde von den Russen annektiert. Die Ukraine von der Nato? Das ist die Polentorte der Gegenwart. Kunstfreund Wladi malt rote Linien. Immer was los in Asien. In Deutschland sorgen sich alle wegen der Zukunft.

# Ein Russe schert sich nicht darum, was morgen ist

Manche leben übermorgen noch, andere nicht. Von den Flüchtlingen, die Lukaschenko als Pfand nützten, ist nicht mehr die Rede? Es ist Winter geworden. In Polen findet der noch statt. Es sollte dort ungemütlicher sein als Anfang Dezember. Eigentlich war das ein humanitäres Thema auf dem Spitzenplatz. Im Internet findet man wenig, aber im Wald an der Grenze gibt es noch Probleme, glaube ich. Oder die Lage hat sich entspannt? Da habe ich was nicht mitbekommen: Wahrscheinlich hat Olaf die Armen einfach (heimlich) zu sich nach Hause genommen und irgendwem Geld gegeben, damit nicht noch mehr kommen? Man merkelt weiter. So regelt sich alles, und bald ist ja auch Frühling!

Ach ja: „Pushback“ ist das Unwort des Jahres 2021.

Alles geregelt.

🙁