„Wir schaffen das!“

Nicht zittern: „Alles Leben ist Problemlösen“, Karl Popper. In großer Klammer vereint der Philosoph das menschliche mit jeder anderen Form des Lebens. Wir müssen nur einen Tierfilm ansehen, um zu verstehen. Irgend ein strubbeliges Wesen steckt die Nase aus dem Loch, baut am Nest rum, wuselt geschäftig um die Höhle, man kennt das. Vielleicht wird Nachwuchs versorgt. Eventuell kommt eine böse andere Gattung daher und schafft echte Probleme, Kampf und Tod.

Lösen wir Probleme oder schaffen wir Probleme, die wir lösen müssen?

Das Tier löst natürliche Probleme, die ihm eigene Bedürfnisse und eine vorgegebene Umgebung auftragen. Da der Mensch Natur durch soziale Struktur ersetzt, entsteht eine neue Situation. Das ist in vielen Bereichen Realität. Anstelle den Schwierigkeiten durch Wetter, Jagd und anderen äußeren Problemen großer Natur, die ein Urmensch in geringer Stammesgröße lebend, vordringlich meistern musste, haben wir die Umgebung selbst geformt. Je nachdem, zivilisiert im Bereich integrierter Gesellschaft oder verdreckt im Drogensumpf eines Slums, von allgegenwärtiger aber machtloser Polizei wie im Krieg gefangen. Ein sozialisiertes Dasein, eine Sozialnatur, eine künstliche Umgebung. Wir leben nicht vereinzelt hier und da einer im Wald. Unsere Natur ist enges aufeinander hocken mit anderen, die Natur ist vielen nur ein Park. Landmarken, Berührungspunkte, natürliche Widerstände? Die Bäume links und rechts, das sind wir nun selbst. Dennoch scheint es ja gerade die altmodisch echte Natur zu sein, die uns im Klimawandel entgleitet. Wir beginnen, das zu bemerken.

Die Natur kommt zurück.

Im heftigen Wetter und in der Person des afrikanischen Flüchtlings gleichermaßen. „Wir schaffen das?“, dieser Satz der Kanzlerin hat polarisiert – warum? Es sind die, die unsere Realität verdrängen, sie regen sich auf. Aber: Wir ziehen die Grenzen wieder deutlicher. Haben wir eine Wahl – wir vermehren unsere Spezies jeden Tag, läuft deswegen unsere Zeit ab? Der Urmensch hatte keine Uhr. (mehr …)

Wir sind noch selbst die Natur

Nordkirche: Erstmals weniger als zwei Millionen Mitglieder, Schenefelder Tageblatt vom Sonnabend, 20. Juli 2019 – „Wofür der christliche Glaube steht, ist für viele Menschen nicht mehr verständlich“, sagte gestern die Landesbischöfin (…), Kristina Kühnbaum-Schmidt, heißt es dort.

Das liegt wohl daran, dass die Kirche sich als eine soziale Institution unter vielen anderen zeigt. Ist Religion grundsätzlich sozial, also an erster Stelle gemeinschaftlich zu begreifen, wir sind die Weltbessermacher? Oder sollte die Kirche nicht idealerweise auf den einzelnen Gläubigen (innerhalb der anderen) schauen, dem Menschen Orientierung sein, einen guten Weg als Möglichkeit aufzeigen? Wenn suggeriert wird, es sei bereits durch die Mitgliedschaft belegt, der Gemeinschaft der guten oder sogar besseren Menschen anzugehören, kann dieser hohe Anspruch leicht verfehlt werden. Wenn sich die Kirche mit sozialen Hilfsorganisationen gleichstellt, gerät sie in die bekannten Probleme solcher Institutionen. Besinnt sie sich stattdessen auf ihre eigenen Werte, nämlich Menschen in eine verbesserte Welt erst hinführen zu wollen, muss diese Gemeinschaft nicht fertig oder perfekt sein. Das hieße Schwäche innerhalb der Kirche zuzulassen. Eine quasi offene Gemeinschaft innerhalb der Gesellschaft. Wenn Pastoren und Priester annehmen, als Hirte nur den weißen Schafen vorzustehen, bilden die anderen außerhalb eben eine größer werdende eigene Herde aus, und die ist möglicherweise nicht einmal schwarz, sondern bunter und vielfältiger. (mehr …)

Du musst es wirklich wollen?

Es ist nicht verkehrt, sich nach einem Grund auf die Suche zu machen, wenn man etwas nicht versteht. Nach „dem“ Grund, sollte hier eventuell stehen, um genau zu sein. Ein Leben voller Ausflüchte, ein Leben auf der zwanghaften Suche nach Lob und Anerkennung ist die normale Alternative. Die Suche nach dem, was uns bedrückt, irritiert oder verstört, kann von einer Flut von Eindrücken verdrängt werden. Sie verstellen wie dichtes Urwaldblattwerk den Blick auf ein hartnäckiges, kleines Problem: Ein schwarzes Loch im All, ein weißer Fleck auf unserer Karte, die eigene Macke! Schwer erkennbar, weil sie so vertraut und gewohnt ist. (mehr …)

Kalte Küche, was soll das bedeuten?

Eine Geschichte in zwölf Bildern, warum? Daraus kann man einen Kalender machen, das ist ein Grund. Und: Ich wollte ein Konzept entwickeln, eine lange Geschichte umsetzen, mehr erzählen als auf einem einzigen Bild. Wie in einem Film. Plötzlich ging das, da ich einen neuen Eingang in meine Fantasie fand. Es wurde möglich, Erinnerungen mit quasi Schauspielern in fiktiven Situationen neu zu gestalten. Es ist nicht nötig, Inhalte eins zu eins wie im illustrierten Krimi nachzubilden. Du kannst verschrobene Facetten einer Traumsequenz formen. Lücken in der Logik werden im Kopf des Betrachters mit eigenen Bildern gefüllt. Jack London entwickelte sein Thema, nachdem er selbst das abenteuerlichste Leben riskiert hatte. Joseph Conrad fuhr zur See, bevor er schrieb. Der Maler Caravaggio floh in eine andere Stadt, um Beschuldigungen auszuweichen und weiter malen zu können. Wenn man absurde Realität malt, können Elemente kombiniert werden, die in Wirklichkeit ganz andere Bedeutung haben. Ein banaler Hauseingang kann zum Eingangstor in ein Gruselkabinett geeignet sein, wenn das eigentlich nur ein nettes Lokal in irgendeiner Stadt ist. Als Maler stelle ich andere Architektur an seine Seite, erfinde noch ein Boot oder so dazu. (mehr …)

Skizzenbücher, im Original zu kaufen

Was heißt im Original? Alles echt, kein Druck und nicht korrigierbar tintenecht artistisch vor Ort gezeichnet. 2017 und ’18 habe ich im Sommer zwei Wochen Urlaub auf der Insel Fehmarn gemacht und jedes Mal ein Skizzenbuch mit Zeichnungen gefüllt. Das ist nicht neu für mich.

Neu ist, dass ich von Beginn an die Absicht entwickelte, so ein Buch wie ein Bild zu verstehen das schließlich im Rahmen einer Ausstellung oder auf der Webseite interessierten Kunstfreunden angeboten wird. Ich zeichnete also wie bisher, um mir die Zeit im Urlaub zu vertreiben und um mein Talent nicht einrosten zu lassen, aber auch in der Absicht, fehlerfrei durch das ganze Buch zu kommen, damit ein schönes Ganzes entsteht. Fehlerfrei heißt nicht perfekt im Sinne von fotogleicher Abbildung. Es bedeutet, im Sinne des Gesamten zu denken, wenn jemand das durchblättert. Ich darf nicht achtlos herumstricheln oder durchkritzeln, was misslungen ist. Es soll nichts misslingen. (mehr …)